Wenn Teams verstummen: Was uns der Winter zeigt

Wenn Führung ins Leere ruft: Was in Meetings verborgen bleibt
Würdest du in ein Seil steigen, wenn du Zweifel an der Konstruktion hast – aber niemand nach deiner Meinung fragt?
Im verschneiten Wald irgendwo zwischen Stuttgart und Freiburg steht ein Team vor einem improvisierten Brückenbau. Die Aufgabe: gemeinsam eine Ausrüstungskiste über einen schmalen, eisigen Bach transportieren. Eine Führungskraft ruft über den Wind hinweg: „Wir machen das so, okay?“ Niemand widerspricht. Dabei hat eine stille Kollegin gerade zu ihrer Nachbarin gesagt: „Ich glaub, das rutscht.“ Gehört hat es niemand. Zehn Minuten später liegt die Kiste im Wasser.
Was hier sichtbar wird, ist kein Abenteuerroman. Es ist Alltag in Unternehmen – nur ohne Bach und Schnee. Denn auch in Projekten, Meetings oder bei Feedback-Runden entscheidet sich an einem Punkt: Wird eine kritische Stimme gehört oder übergangen?
Warum gute Teams zu spät warnen?
Die wenigsten Menschen stehen morgens auf und denken: „Heute halte ich mal absichtlich den Mund.“ Trotzdem erleben wir in vielen Organisationen genau das: schweigende Mitarbeitende, verschobene Verantwortung, wichtige Hinweise im falschen Moment. Immer wieder.

  • in Meetings äußern sich nur die Lauten oder die Hierarchisch Starken.
  • Skepsis wird zum Risiko – „nachfragen“ wirkt wie Mangel an Kompetenz.
  • Nach Fehlern wird nicht hinterfragt, sondern gehofft, es werde keiner merken.

Für HR und Führungskräfte ist das frustrierend – denn Beteiligung und Transparenz werden ja gewünscht. Aber Worten fehlen Erfahrungsräume. Ob jemand den Mut fasst, Kritik zu äußern oder eine Frage zu stellen, hängt weniger vom Skillset ab – sondern davon, wie sicher es für die Person ist, sichtbar zu werden, ohne negative Konsequenzen zu fürchten.
Und genau hier kommt der Begriff ins Spiel, der in der Harvard-Forschung zu einem der wichtigsten Kulturfaktoren wurde: psychologische Sicherheit.

Was psychologische Sicherheit wirklich meint
Psychologische Sicherheit heißt nicht: Harmonie oder Überempfindlichkeit. Sie heißt: In diesem Team kann ich sagen, dass ich etwas nicht weiß. Oder nicht verstehe. Oder einen Fehler sehe. Und ich riskiere damit keine Bloßstellung.
Die Harvard-Forscherin Amy Edmondson nennt das die „kollektive Zuversicht, nicht abgewertet zu werden“. Diese Zuversicht entsteht nicht im Slogan. Sie wächst in Mikro-Momenten:

  • Wird eine leise Idee aufgenommen oder übergangen?
  • Dürfen Zweifel geäußert werden oder stören sie nur den Plan?
  • Wird auf einen Hinweis mit Interesse reagiert – oder mit einem Augenrollen?

Im Alltag sind diese Momente oft flüchtig. Die Folgen zeigen sich erst später: in Meetings, in Projektergebnissen, in Fehlerstatistiken. Das macht psychologische Sicherheit schwer greifbar – aber extrem wirksam. Und das ist der Grund, warum sie draußen so drastisch sichtbar wird.

 

Warum Teams draußen anders sprechen, Outdoor-Teamtraining als Spiegel
In der Natur ist das Klima rauer – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Kälte, Wind und Gelände fordern Zusammenarbeit. Aber sie fordern auch Verhalten zutage, das im Besprechungsraum nur in Andeutungen erscheint.
Ein Outdoor-Teamtraining ersetzt nicht die Unternehmenskultur – aber es offenbart sie. Denn draußen fehlen viele der üblichen Puffer:

  • keine E-Mail-Protokolle
  • keine vorbereiteten Bulletpoints
  • keine Statusobjekte

Was bleibt, ist der Moment. Der Umgang mit Unsicherheit. Und mit Menschen. Und genau das braucht es, um psychologische Sicherheit überhaupt sichtbar und trainierbar zu machen.

Ein realer Fall aus einem unserer Trainings
Ein interdisziplinäres Team von Projektleitung, Entwicklung und Qualitätssicherung steht vor der Bachüberquerung. Als ein Brett platziert wird, warnt eine Entwicklerin vor möglichem Abrutschen. Eine Führungskraft winkt ab, betont den Zeitdruck. Der Hinweis verpufft. Die Gruppe probiert es trotzdem – Ergebnis: Die Kiste kippt, nasse Kleidung, unterbrochene Aufgabe. Der Frust ist sichtbar, auch leichte Schuldzuweisungen tauchen auf.
Dann wird es still.
In der Auswertung danach sagt die Führungskraft leise: „Ich hab das gar nicht richtig gehört.“ Eine Mitarbeiterin ergänzt: „Ich war mir auch nicht sicher, ob ich was sagen soll.“ Und jemand dritter fragt: „Was wäre, wenn wir im Projektverlauf genauso aneinander vorbeireden?“
Das ist der Moment, um den es geht!

Worum geht es in unseren Outdoor-Programmen:

  • Die Aufgaben haben echtes Risiko (z. B. Teamentscheidung mit realer Konsequenz).
  • Rollen und Kommunikation sind nicht vorstrukturiert – Verhalten entwickelt sich spontan.
  • Es gibt asymmetrisches Wissen: Wer spricht aus welchem Kontext?
  • Die Reflexion ist kein „Nice-to-have“, sondern in die Aufgabe integriert.
  • Der Praxistransfer ist geplant – durch konkrete Alltagsbeispiele.
  • Das Format ist psychologisch begleitet – nicht nur organisiert.
  • Sicherheitsaspekte (physisch & emotional) sind klar geregelt.

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